Verstärkung für das Projektteam

Als 2007 die ersten Akten auf der Bühne zum Sprechen gebracht wurden, rechnete keiner aus dem Projekt damit, dass sich daraus eine erfolgreiche Reihe entwickeln würde, die inzwischen bereits im achten Jahr überregional bedeutende Themen der Bremer Geschichte erforscht und inszeniert. Inzwischen hat sich rund um die Projektleiterin Dr. Eva Schöck-Quinteros ein kleines und beständiges Team zusammengefunden, das mit viel (teils ehrenamtlichem) Engagement Tage und Nächte damit verbringt, Lesungen und Gastspiele zu organisieren, Artikel der Studierenden zu redigieren, Begleitbände und DVDs zu gestalten und Termine mit PressevertreterInnen und Projektpartnern wahrzunehmen – und das neben vielerlei anderen Verpflichtungen aller Teammitglieder. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir zukünftig weitere Verstärkung für unser Projektteam bekommen!

Mit Mareike Witkowski konnte das Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen eine junge und vielseitige Lektorin gewinnen. Frau Witkowski hat bislang zu sozial- und gesellschaftlichen Themen wie der Studentenbewegung 1968 und der Stellung von Hausangestellten im 20. Jahrhundert gearbeitet und bereichert „Aus den Akten auf die Bühne“ ab Mai 2014 zudem besonders mit ihrem Erfahrungsschatz aus regionalhistorischen Studien zum Oldenburger Raum.

Außerdem soll es künftig eine Stelle geben, die sich der Zusammenarbeit mit Schulen widmet. Für PädagogInnen ist das Projekt eine gute Möglichkeit, Jugendlichen Bremer Geschichte anschaulich zu vermitteln. Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung „die schwelle“ und des Bremer LidiceHauses soll die Kooperation mit Bremer Schulen und außerschulischen Jugendbildungseinrichtungen ausgebaut werden. Die Förderung beträgt für die nächsten drei Jahre insgesamt 45.000 Euro. Die vollständige Pressemitteilung finden Sie auf der Seite der Universität Bremen: http://www.uni-bremen.de/universitaet/presseservice/pressemitteilungen/archiv-2014/views/einzelanzeige-2014/news/detail/News/uni-projekt-aus-den-akten-auf-die-buehne-baut-zusammenarbeit-mit-bremer-schulen-und-dem-lidicehaus.html?cHash=d895b482993222406958a89b90362f64

Wir freuen uns über die wissenschaftliche und didaktische Verstärkung – und über die damit verbundenen Zukunftsperspektiven für die Projektreihe!

100 Jahre Erster Weltkrieg: Gedenkveranstaltung mit Prof. Chickering

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.

Der amerikanische Historiker Prof. Dr. Roger Chickering wird auf einer Gedenkveranstaltung in der Oberen Halle des Bremer Rathauses am Dienstag, 6. Mai 2014, um 19.30 Uhr einen Vortrag halten. Titel: “Der sonderbare Krieg des Deutschen Kaiserreichs 1914-1918″ – ein Vergleich der politischen Zustände in den beteiligten Ländern. Er wird auch beleuchten, wie sich die Lage des deutschen Kaiserreiches auf den militärischen Verlauf des Krieges und die politischen Entwicklungen in Deutschland nach dem Krieg ausgewirkt hat. Bürgermeister Jens Böhrnsen spricht ein Grußwort auf der Veranstaltung, zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Bremen, der Stiftung “die schwelle” und dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen durchgeführt.

Roger Chickering ist Professor Emeritus für Geschichte im Center for German and European Studies an der Georgetown University in Washington DC. Unter seinen Veröffentlichungen zum Ersten Weltkrieg sind: ‘Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg’ (Beck 2002) und ‘Freiburg im Ersten Weltkrieg: Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914-1918′ (Schöningh 2009). Er ist der Stadt und der Universität Bremen seit langem verbunden. Mit seinen Arbeiten hat Roger Chickering die Studierenden der Projektreihe „Aus den Akten auf die Bühne“ in vielerlei Hinsicht für das Projekt „Eine Stadt im Krieg: Bremen 1914-1918“ inspiriert.

Wiederaufnahme: „Eine Stadt im Krieg. Bremen 1914-1918“

Christopher Clark, Gerd Krumeich, Herfried Münkler – namhafte Wissenschaftler haben in den vergangenen Monaten dicke Bücher über den Ersten Weltkrieg herausgegeben und darin den Krieg als nationales und internationales Ereignis beschrieben. Sie haben versucht, die große Frage nach Schuld und Verantwortung (neu) zu beantworten und damit einen wichtigen Beitrag für die neuere deutsche Geschichtsschreibung geleistet. Doch was geschah eigentlich jenseits von Politik und Diplomatie? Wie sah es eigentlich in Bremen aus? Wie veränderte sich das Leben der Menschen durch den Krieg? Diesen Fragen versuchen wir uns wieder ab dem 18. Februar in unserer szenischen Lesung zu nähern: „Eine Stadt im Krieg. Bremen 1914-1918“.

Hundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs werden überlieferte Dokumente zum Sprechen gebracht und erzählen dem Publikum von vergangenen Orten, Personen, Ereignissen und Entwicklungen in Bremen: Wie veränderte sich das Leben in der Stadt? Wie veränderte sich die Stadt selbst? Welche Hoffnungen, Erwartungen, Ängste löste er bei den Menschen aus? Wie gestalten, erleben und erleiden sie die „Heimatfront“? Welche Erfahrungen machen Bremen als Soldaten an den Fronten? Die szenische Lesung zeichnet das Bild einer Stadt, in der der Krieg allgegenwärtig ist.

Termine im ersten Halbjahr 2014:
18. Februar 2014
24. März 2014
7. Mai 2014
12. Mai 2014
4. Juni 2014
24. Juni 2014
jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz, Bremen
Karten: 12 Euro, erm. 6 Euro | www.shakespeare-company.com

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Buchbesprechung: Entnazifizierung

In dem Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“ machen die meisten Studierenden eine neue Erfahrung: Wie ist es eigentlich, wenn ich meine Arbeit nicht nur für die Augen der DozentInnen und für ein tristes Dasein in der Schublade schreibe? Zu jedem neuen Projekt entsteht ja schließlich ein Begleitband, in dem zahlreiche Beiträge von Studierenden veröffentlicht werden. Diese Bücher werden gekauft, gelesen und – wie aktuell im Fall unseres Entnazifizierungsbandes – von WissenschaftlerInnen besprochen.

Allen Projektbeteiligten ist dabei klar, dass ein Band mit Beiträgen von Studierenden Stärken und Schwächen hat. Denn selbstverständlich können nicht alle Studierenden Aufsätze schreiben, als ob sie fertig ausgebildete WissenschaftlerInnen wären. Mit umso mehr Spannung erwarten wir dann die Rückmeldungen zu unseren Bänden. Und besonders erfreut (und wie immer ein bisschen erleichtert) waren wir, als wir die Rezension von Dr. Nicole Kramer (Uni Frankfurt a.M.) gelesen haben. Insbesondere weil Nicole Kramer mit ihrer Dissertation zum Thema „Volksgenossinnen an der Heimatfront. Mobilisierung, Verhalten, Erinnerung“ (2011) als Expertin auf dem Gebiet der Heimatfront im Zweiten Weltkrieg gilt. Ihr Fazit zu unserem Band:

„Die Beiträge sind fundiert recherchiert, machen Grenzen der Aussagekraft von Quellen klar (etwa Aussageprotokolle von Angeklagten, die sich freilich nicht selbst kompromittieren wollten) und diskutieren überzeugend mögliche Varianten historischer Abläufe. Bisweilen hätten sich manche Autorinnen und Autoren mehr von der Entstehungslogik ihrer Quellen lösen können, konkret von den juristischen Fragen und Kategorien, die für eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung häufig wenig erkenntnisfördernd sind. Wünschenswert wäre es zudem gewesen, die Einzelbeobachtungen in einer Zusammenfassung zu bündeln. Die große Stärke des Sammelbandes ist jedoch, dass er einen Einblick in die Werkstatt kritischer Quellenarbeit liefert, gerade deswegen empfiehlt er sich als Lektüre nicht nur für die interessierte Öffentlichkeit, sondern auch für die Fachwissenschaft.“

Die gesamte Rezension finden Sie hier.

Der Fall Ries: Termine in Dachau, Dorsten und Bremen

„Asoziale“, Homosexuelle, „Berufsverbrecher“, Sinti und Roma, Opfer der so genannten Euthanasie oder der Invalidentransporte sind Häftlingsgruppen in den Lagern der Nationalsozialisten, die in besonderem Maße einer Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt waren. Dies galt auch für die Zeit nach 1945. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren erhielten nur Opfer politischer, rassistischer oder religiöser Verfolgung Zahlungen. Alle anderen wurden marginalisiert. Die Tagung „Marginalisierte Häftlingsgruppen in der historischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Einblicke in Theorie und Praxis.“ am 11. und 12. November im Max-Mannheimer-Studienzentrum in Dachau wird sich diesem Thema annehmen. Wir freuen uns, dass wir mit unserem Projekt „Im Lager hat man auch mich zum Verbrechr gemacht.“ Margarete Ries: Vom „asozialen“ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz dabei sein werden. Frederike Buda, die den Fall Ries im Rahmen unseres Entnazifizierungsprojektes aufgearbeitet hat, stellt das Projekt und die Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“ zusammen mit der Projektleiterin Eva Schöck-Quinteros und Regisseur Peter Lüchinger vor. Weitere Infos: https://www.facebook.com/events/492693730795978/

Eine Aufführung der szenische Lesung über den Fall Ries wird es am 24. November 2013 in Dorsten geben. Das Jüdische Museum Westfalen hat uns zu einem Gastspiel eingeladen. Dieser Einladung kommen wir besonders gern nach. Das Ensemble der bremer shakespeare company wird die Geschichte von Margarete Ries auf die Bühne bringen, deren Leben eindringlich das Nebeneinander und die Vermischung von Opfer- und Täter-Sein eines Kapos vor Augen führt.

Neue Termine in Bremen: Aufgrund der großen Nachfragen wird die Lesung im November und Dezember auch wieder mit einigen Terminen im Bremer Spielplan der bsc vertreten sein.

Neue Publikationen

Wir haben uns viel vorgenommen, bei unserem aktuellen Projekt. „Eine Stadt im Krieg“ soll nicht nur durch einen, sondern gleich durch zwei Bände begleitet werden. Während wir uns sehr freuen, dass schon viele Exemplare des ersten Bandes in den Händen unserer interessierten LeserInnen liegen, verzögert sich leider aus unvorhergesehenen Gründen die Auslieferung des zweiten Bandes. Ab Mitte Juli werden wir aber  mit dem Versand beginnen können.

Wer dennoch schon jetzt mehr über uns und unsere Arbeit erfahren möchte, dem seien zwei neue Veröffentlichungen ans Herz gelegt:

In verdikt (1/2013), Halbjahreszeitschrift der Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte in ver.di, ist kürzlich ein Artikel über „Aus den Akten auf die Bühne“ veröffentlicht worden, in dem Eva Schöck-Quinteros die Projektreihe skizziert und dabei einen besonderen Fokus auf unsere Projekte in der Schnittstelle zwischen Geschichts- und Rechtswissenschaft legt. Die aktuelle Ausgabe ist auf der Website von verdikt als PDF einsehbar: http://bund-laender.verdi.de/fachgruppen/justiz/richterinnen_und_richter_staatsanwaeltinnen_und_staatsanwaelte/verdikt

In einem zweiten Artikel haben Eva Schöck-Quinteros und Nils Steffen“Eine Stadt im Krieg“ aus hochschuldidaktischer Sicht untersucht: Wie funktioniert „Forschendes Lernen“ in unserem Projekt? Wer übernimmt welche Aufgaben? Welche Hürden gilt es zu bewältigen? Was nehmen die Studierenden aus dem Projektstudium mit? Der Aufsatz unter dem Titel „Aus den Akten auf die Bühne“ – Studierende erforschen „Eine Stadt im Krieg“. Ein geschichtswissenschaftliches Crossover-Projekt zwischen Forschung, Lehre und Theater wurde in dem kürzlich erschienen Sammelband zum Forschenden Lernen an der Universität Bremen veröffentlicht. Informationen zum Band finden Sie auf der Verlagsseite: http://www.universitaetsverlagwebler.de/huber-kroeger-schelhowe-forschendes-lernen.htm

Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre! Übrigens: Spätestens Anfang 2014  steht „Eine Stadt im Krieg: Bremen 1914-1918“ wieder auf dem Spielplan der bremer shakespeare company.

Lebendiger Geschichtsunterricht (Weser Kurier)

Lebendiger Geschichtsunterricht

Bremen zwischen Hurra-Patriotismus und Pogromstimmung: Im Theater am Leibnizplatz steht heute wieder die szenische Lesung „Eine Stadt im Krieg – Bremen 1914-1918“ auf dem Programm. Geschichtsvermittlung, unter der Leitung von Eva Schöck-Quinteros von Bremer Studierenden erarbeitet, wie sie lebendiger kaum sein könnte.

VON SIGRID SCHUER

Neustadt. „Wer sich schnell über Bremen im Ersten Weltkrieg informieren möchte und im Internet auf die ’Kleine Bremer Chronik’ stößt, herausgegeben vom Senat der Freien Hansestadt, wird verblüfft feststellen, das es für Bremen den Ersten Weltkrieg offenbar nicht gegeben hat“, sagt Eva Schöck-Quinteros. Und das, obwohl das Thema aktueller denn je ist, jährt sich doch der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Die promovierte Historikerin kooperiert mit ihren Studierenden des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen seit 2007 mit der Bremer Shakespeare Company. Das Konzept „Aus den Akten auf die Bühne“, das sie gemeinsam mit Peter Lüchinger erarbeitet hat, ist zu einem vollen, gleich mehrfach preisgekrönten Erfolg geworden.

Fünf verschiedene Fallstudien haben die Studierenden von Eva Schöck-Quinteros inzwischen recherchiert, die von den Schauspielern der Bremer Shakespeare Company auf die Bühne gebracht wurden. In der sechsten Ausgabe des Projektes, das so in Europa einmalig ist, beschäftigen sich die rund 20 Studierenden, ihre Dozentin und die Akteure der Shakespeare Company erstmals mit einer ganzen historischen Phase. „Eine Stadt im Krieg – Bremen 1914-1918“, so der Titel der szenischen Lesung und des von den Studierenden erarbeiteten, umfangreichen Begleitbandes, hatte jetzt im Theater am Leibnizplatz Premiere. Regisseur Peter Lüchinger hat aus rund 800 bis 1000 Seiten Aktenmaterial ein beklemmendes Stück Zeitgeschichte zusammengeschnitten.

Der Abend endet mit der Aussage einer unbelehrbaren Bremerin, die sich am 2. Januar 1919 darüber empört, dass die Arbeiter- und Soldatenräte das Infanterie-Regiment Nr. 75 entwaffnet haben und die sich sehnlichst „einen Mann wie Bismarck“ wünscht, „der die Zügel ergreift“. Ein Wunsch, der nur 14 Jahre später auf fatale Weise in Erfüllung gehen wird. „Peter Lüchinger hat es sehr genau auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass der Zweite bereits im Ersten Weltkrieg begründet liegt“, sagt Eva Schöck-Quinteros.

In der szenischen Lesung wird auf spannende Art dokumentiert, dass all das, was Deutschland im nationalsozialistischen Regime endgültig in den moralischen Abgrund stürzte, bereits im Ersten Weltkrieg vorhanden war: Hurra-Patriotismus und Pogromstimmung, gepaart mit der verblendeten Überzeugung, dass „Deutschland das auserwählte Volk Gottes sei“, so die Bremerin, aus deren Kriegstagebüchern Theresa Rose liest. Da nutzten auch die Friedens-Appelle der Bremer Bürgerzeitung und die Protest-Kundgebungen der Bremer Arbeiterschaft nichts. Die Stimmung ist aufgeheizt, 1914 werden am Bahnhof deutsche Reservisten und Offiziere als russische Spione bezichtigt und fallen beinahe der Lynchjustiz zum Opfer. Die Pogromstimmung macht selbst nicht vor dem Bremer Stadttheater Halt, dort kündigt Direktor Hofrat Julius Otto dem russischen Tenor Juan Spivak 1914 das Engagement. Die Briefe, die theaterbegeisterte, sogenannte Kulturmenschen, an Otto schreiben, lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Wenn Sie diese Bestie auftreten lassen, wird es einen Theaterskandal ersten Ranges geben!“ und: „Die aus feindlichen Ländern stammenden Mitglieder müssen hier verschwinden!“

Elend der Frontsoldaten spürbar

Wie stark das Publikum durch Schöck-Quinteros’ Ansatz der „Public history“, also der populären Geschichtsvermittlung an Menschen, die nicht studiert haben, in die damaligen Geschehnisse hineingezogen wird, macht das Schicksal des Arbeiterehepaares Anna und Robert Pöhland besonders deutlich, dass immer wieder hofft, sich eines Tages vielleicht doch wiedersehen zu können. In den von Markus Seuß vorgetragenen Briefen wird das ganze Elend der Frontsoldaten spürbar. „Dieser wahnsinnige Krieg. Wir haben Belgien und Frankreich verwüstet. So gerecht geht es zu in dieser herrliche Welt“, schreibt Robert sarkastisch. Erschütternd, wie er in seinen Briefen von der Front seinen Sohn darauf einschwört, die Pflichten des Familienoberhauptes zu übernehmen, wenn er fallen sollte. Denn schließlich ist alles Hoffen und Bangen am Ende doch vergebens, Petra-Janina Schultz sitzt als Roberts Frau Anna wie versteinert da, als ihr die Todesnachricht übermittelt wird.

„Eine Stadt im Krieg – Bremen 1914-18“, ist am heutigen Donnerstag, 11. April, um 19.30 Uhr zu sehen. Weitere Aufführungen : Am Montag, 15. April, und am Mittwoch, 29. Mai. Weitere Informationen unter www.shakespeare-company.com und unter Telefon 500222. Die Studierenden laden zudem am Freitag, 12. April, von 11 bis 18 Uhr zu einem Workshop ins Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4-5 ein. Anmeldung unter esq@uni-bremen.de.

Quelle: http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/bremen-sued/neustadt_artikel,-Lebendiger-Geschichtsunterricht-_arid,543338.html

Workshop: Bremen im Ersten Weltkrieg

Am Freitag, 12. April 2013, stellen die Studierenden des Projektes ihre Forschungsergebnisse vor. Der Workshop findet von 11.00 bis 18.30 Uhr im Kleinen Saal im Haus der Wissenschaft (Sandstr. 4/5, 28199 Bremen) statt. Die Einführung und Moderation übernimmt Prof. Dr. Christa Hämmerle von der Universität Wien. Sie ist ausgewiesene Expertin für die Themen Heimatfront und Geschlechterbeziehungen im Ersten Weltkrieg. Interessierte sind herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei, um vorherige Anmeldung bei Eva Schöck-Quinteros (esq[at]uni-bremen.de) wird gebeten.

Das Programm:

Sebastian Willert
„Regiment und Vaterstadt“ – Kriegserfahrungen der „75er“ zwischen Front und Heimat

Larena Schäfer
„Grüße der Liebe“ und „Zeichen des Dankes“ – Bremer Liebesgaben für die Front

Stefanie Garrelts
„Das reizvolle geschmackvolle Kreuz für uns alle ohne Unterschied“ – Das Bremer Hanseatenkreuz

Nils Steffen
Alldeutsch? Liberal? Hanseatisch? Andreas Gildemeister, Ludwig Roselius und  die Deutsche Vaterlandspartei in Bremen

Jens Crueger
Annexionen? Kolonien? Handelsmacht? Kriegsziele und Kriegsgegner aus der Sicht  der Bremer Handelskammerpräsiden (1916–1918)

Cihanay Sahin
„Zu den volkstümlichsten Dingen in Deutschland gehört heute unser Bündnis mit dem Osmanischen Reich“ – Die „Waffenbrüderschaft“ in der Bericht-erstattung der bremischen, bürgerlichen Presse

Rita Schulte
Inszenierung der Volksgemeinschaft auf der Bühne – Sinnstiftung des Ersten Weltkriegs im Bremer Stadttheater

Fatou Julia N’Jie
Die Bremer Hausfrau – eine Frauenzeitschrift im Krieg

Anna Mamzer
Bremer Jugendliche im Ersten Weltkrieg

Elena Metag
„[…] jetzt wollen wir gewiss nichts über Frieden reden.“ Der Erste Weltkrieg in den Tagebüchern  des Bremer Pastors Ludwig Jacobskötter

David Hepp
Leopold Rosenak – Aus dem Alltag eines Feldrabbiners an der Ostfront

 

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… auf die Bühne! „Eine Stadt im Krieg. Bremen 1914–1918“

Es ist soweit! Wir präsentieren unsere sechste Inszenierung: Knapp hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs bringen SchauspielerInnen der bremer shakespeare company (bsc) unter der Regie von Peter Lüchinger den Alltag in Bremen während des Ersten Weltkriegs auf die Bühne: „Eine Stadt im Krieg: Bremen 1914–1918“. Mehr als ein Jahr lang verbrachten Studierende des Projektes „Aus den Akten auf die Bühne“ in Archiven und Bibliotheken und fragten: Wie veränderte der Krieg damals das Leben der Menschen? Welche Hoffnungen, Erwartungen, Ängste löste er bei den Bremern aus? Wie erlebten, erlitten und gestalteten sie die „Heimatfront“? Grundlage für die szenische Lesung sind Feldpostbriefe, Zeitungsartikel, Tagebücher, Reden und andere Zeitdokumente.

Premiere ist am Montag, 8. April 2013, um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz (Schulstraße 26, 28199 Bremen). Weitere Vorführungen gibt es  am 11., 15., 29. April und 13. Mai. Karten gibt es im Internet unter www.shakespeare-company.com/ .

Begleitband und Workshop

Neben der Inszenierung mit der bsc präsentieren die Geschichtsstudierenden ihre Forschungsergebnisse noch in anderer Form: Wie bei jedem Projekt gibt es einen Begleitband mit zahlreichen Fotos und Dokumenten sowie Artikeln der Studierenden. „Dieser Band wird die großen Forschungslücken der bremischen Alltags-, Kultur-, und Sozialgeschichte für die Zeit des Ersten Weltkriegs ein Stück weit schließen“, sagt die Projektleiterin Dr. Eva Schöck-Quinteros.

Zudem laden die Studierenden am Freitag, 12. April 2013, von 11 bis 18 Uhr Interessierte zu einem Workshop in das Haus der Wissenschaft ein (Sandstraße 4/5, 28195 Bremen,  Anmeldung unter E-Mail: esq@uni-bremen.de ). In kurzen Vorträgen werden die aktuellsten Ergebnisse zur Bremer Geschichte in der Kriegszeit vorgestellt. Die Einführung und Moderation übernimmt die Professorin Christa Hämmerle der Universität Wien – Expertin für Forschungen zum Thema „Heimatfront“ und der Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkriegs.

Multimedialer Stadtrundgang

Darüber hinaus gehen die Studierenden mit einem Pilotprojekt neue Wege: Zurzeit entwickeln sie eine App für einen virtuellen Stadtrundgang über den Ersten Weltkrieg in Bremen. Dabei wird die Hansestadt zur Bühne. Vorhandene und nicht mehr existierende Orte werden durch Fotos, alte Briefe und Zeitungsartikel lebendig. Die Texte spricht die bsc in einem Tonstudio ein. Rund 60 Stationen sollen  im Stadtgebiet entstehen – so zum Beispiel vor dem Dom, am Roland und am Theaterberg. In Kooperation mit der Bremer Touristik Zentrale sollen neben individuellen Rundgängen auch Führungen für Touristen und Schulklassen erarbeitet werden. „Zum Thema Erster Weltkrieg stellt diese Art der Vermittlung bundesweit ein Novum dar“, sagt die Projektleiterin Eva Schöck-Quinteros. Anfang 2014 soll der multimediale Stadtrundgang mit dem Smartphone oder am Computer nutzbar sein.

Weitere aktuelle Informationen auch bei Facebook unter www.facebook.com/sprechende.akten.

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Erster Weltkrieg kommt auf die Bremer Bühne (BILD)

Spektakuläre Original-Dokumente ausgegraben

Erster Weltkrieg kommt auf die Bremer Bühne

Von BILJANA NELOSKA

Neustadt – Verletzte Soldaten werden mit Straßenbahnen durch die Stadt gefahren. Bremer Frauen sitzen zusammen, stricken warme Socken für die Frontkämpfer. Im Schauspielhaus Ostertor läuft das Stück „Die heilige Not“.

Vor 99 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus – und veränderte das Leben der Bremer dramatisch, auch ohne Trümmer auf den Straßen. Die Shakespeare Company bringt den harten Kriegsalltag in der Hansestadt jetzt aus den Akten auf die Bühne!

Monatelang haben sich dafür Studenten der Universität in Bremens dunkle Vergangenheit eingegraben. Aus dem Staatsarchiv förderten sie erstaunliche Originaldokumente zu Tage. Alte Fotos. Feldpostbriefe. Tagebücher und Reden. Die Profi-Schauspieler von der Shakespeare Company bringen sie im Theater zum Sprechen.

Projektleiterin Dr. Eva Schöck-Quinteros vom Institut für Geschichtswissenschaften: „Der Krieg drang überall ein. Nichts blieb, wie es war.“

Die szenischen Lesungen werden in der Sprache der Zeit vorgelesen. In einem rauen Ton, der in einem Gedicht von Julius Koch hörbar wird: „Eisen ist das Wort der Zeit. Deutschlands Kraft trägt eisernes Kleid.“

Die Zuschauer werden auch mehr über den „eisernen Roland“ erfahren, der im Juli 1915 feierlich eingeweiht wurde. Gegen eine Spende durften Bremer Eisennägel in die Figur schlagen, um ihre Soldaten zu unterstützen.

Unter der Regie von Peter Lüchinger beginnt die erste szenische Lesung am 8. April im Theater am Leibnizplatz. Infos unter www.shakespeare-company.com.

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