„Aus den Akten“ auf dem Norddeutschen Archivtag

Am Abend des 5. Juni 2018 haben wir „Aus den Akten auf die Bühne“ auf dem 7. Norddeutschen Archivtag in Hannover vorgestellt. Die bremer shakespeare company las Auszüge aus der szenischen Lesung „Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben. ‚Lästige Ausländer‘ in der Weimarer Republik“. Anschließend stellten Dr. Eva Schöck-Quinteros und Sigrid Dauks Idee und Konzept unseres Projekts vor. Die Archivarinnen und Archivare waren begeistert. Die Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Christine van den Heuvel, erklärte in ihrem Schlusswort die Veranstaltung zum „absoluten Highlight“ der Tagung. Beindruckt habe sie u.a. diese Form des Umgangs mit den Archivalien und die Aktualität der historischen Themen.

Foto: S. Schröder

In dem Tagungsbericht von Dr. Stefan Schröder (LWL-Archivamt für Westfalen) findet unser Auftritt ebenfalls positive Erwähnung. Schröder schreibt:

„In der öffentlichen Abendveranstaltung präsentierte die bremer shakespeare company Auszüge aus einer szenischen Lesung, die im Rahmen eines ‚Crossover-Projekts“ zwischen Geschichtswissenschaft und Theater aus archivalischen Quellen entstanden ist. Anschließend erläuterten Sigrid Dauks (Universitätsarchiv Bremen) und Eva Schöck-Quinteros (Universität Bremen) die Hintergründe dieser seit 2006 bestehenden Kooperation, bei der die inhaltlichen Grundlagen für die diversen Themen im Rahmen von universitären studentischen Übungen gelegt werden und zuletzt von den Schauspielerinnen und Schauspielern zu einer Bühnenfassung zusammengestellt werden. Die Archive als Projektpartner gewinnen auf diesem Weg neue Nutzer, deren Archivkompetenz gleichzeitig solide fundiert wird. Publikationen zu den Lesungen, teils mit Faksimiles, erreichen ein weites und häufig sicher auch noch archivfremdes Publikum. Mit den Bremer Projekten wurden so im Laufe von mehr als 10 Jahren rund 12.000 Zuschauer erreicht. Meine vor Beginn noch vorhandene Skepsis ist jedenfalls vollständig ausgeräumt und der Versuch, aus Archivalien Bühnentaugliches zu schaffen, ist zur kreativen Nachnutzung nur zu empfehlen!“

Über das positive Feedback freuen wir uns sehr! Der vollständige Tagungsbericht ist auf dem Blog „archivamt“ nachzulesen: https://archivamt.hypotheses.org/6457

 

Der Mord an Manga Bell – Vortrag und Diskussion mit Ch. Bommarius

Die Kolonialgeschichte wird heute so offen, vielstimmig und kritisch diskutiert wie selten zuvor. Aus den Akten auf die Bühne hat bereits 2016 mit der Lesung „Bremen – Eine Stadt der Kolonien“ Szenen aus dem kolonialen Erbe der Hansestadt aufgearbeitet und präsentiert.

Jetzt freuen wir uns, dass wir in Kooperation mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen, der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Staatsarchiv Bremen sowie der Stadtbibliothek den Journalisten, Publizisten und Juristen Christian Bommarius nach Bremen einladen können!

Christian Bommarius, Heinrich Mann-Preisträger 2018 der Berliner Akademie der Künste, kommt am 13. Juni 2018 um 19.00 Uhr in den Wall-Saal der Stadtbibliothek Bremen. Dort stellt er seine Recherchen über den Mord an Rudolf Manga Bell, dem König der Duala in Kamerun, zur Diskussion, die er unter dem Titel „Der gute Deutsche“ (Berenberg) veröffentlicht hat.

„Der gute Deutsche“: Buch von Christian Bommarius (2015)

Kamerun war seit 1884 deutsches „Schutzgebiet“ und wurde regelmäßig von den Schiffen der Hamburg-Bremer Afrika-Linie AG (HBAL) angelaufen. Die dahinterstehenden wirtschaftlichen Interessen bezogen sich unter anderem auf Palmöl, Kakao und Kautschuk, die auf Plantagen angebaut wurden. Rudolf Manga Bell, der mehrere Jahre in Aalen zur Schule gegangen war, kämpfte gegen Landraub, Zwangsumsiedlungen und Enteignungen durch die deutsche Kolonialregierung. Er schrieb Protestnoten und Petitionen an den Reichstag, führte erfolgreiche Prozesse, mobilisierte sozialdemokratische Abgeordnete und Journalisten – und wurde auf Grund dieses politischen Kampfes am 8. August 1914 wegen „Hochverrats“ erhängt. Der Justizmord an Manga Bell gehört zu den immer noch wenig bekannten Verbrechen der deutschen Kolonialzeit.

Anschließend diskutiert Christian Bommarius mit Ohiniko Mawussé Toffa (Universität Bremen, Forschungsbereich Dynamik der Missionierung und der Kolonialisierung) und Völkerrechtler Prof. Dr. Manfred Hinz (Apl. Professor für Recht und African Studies an der Jacobs University). Die Moderation übernimmt Projektleiterin Dr. Eva Schöck-Quinteros vom Institut für Geschichtswissenschaft (IfG) der Universität Bremen.

Der Eintritt ist frei.

Bereits am Nachmittag werden die Studierenden des Projekts Aus den Akten auf die Bühne Christian Bommarius zum Gespräch im Staatsarchiv Bremen treffen. (14.30 Uhr im Vortragssaal des Archivs.) Wer an diesem Gespräch teilnehmen möchte, meldet sich vorher bitte per Mail bei Eva Schöck-Quinteros an (esq (@) uni-bremen.de)

Neues Projekt zur Polarforschung

Vom Eis gebissen – Im Eis vergraben
Geschichten aus der deutscher Polarforschung

Vor 150 Jahren, am 24. Mai 1868, brechen Kapitän Koldewey und elf Mann Besatzung mit dem Segelschiff „Grönland“ in Richtung Arktis auf. Diese Fahrt wird die erste erfolgreiche deutsche Nordpolarexpedition. König Wilhelm, Ministerpräsident Bismarck, Kriegs- und Marineminister Roon und Generalstabschef Moltke stehen am Pier und winken zum Abschied. Was trieb die Polarforscher zu ihren riskanten Reisen in die Eiswüste? Mit welchen Erfahrungen und Erkenntnissen kehrten sie – wenn überhaupt – zurück? Wie veränderten die Ergebnisse ihrer Expeditionen unsere Vorstellungen von der Welt? Welche politischen und wirtschaftlichen Interessen gab es an der Polarforschung? In der Lesung kommen August Petermann, Alfred Wegener, Johannes Georgi und Fritz Loewe und Ernst Sorge zu Wort und berichten über ein Leben in Einsamkeit und Kälte, über Konflikte und Freundschaft, über die lange Trennung von ihren Frauen und über die Bedeutung ihrer vierbeinigen Begleiter.

 

 

Termine

23. Mai 2018, 19 Uhr
Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

28. Mai 2018, 19.30 Uhr
12. Juni 2018, 19.30 Uhr
20. Juni 2018, 19.30 Uhr
Theater am Leibnizplatz, Bremen

Infos und Karten: www.shakespeare-company.com

 

Gastspiel in Hamburg

Staatsschutz – Treuepflicht – Berufsverbot
(K)EIN VERGESSENES KAPITEL DER WESTDEUTSCHEN GESCHICHTE

Szenische Lesung der bremer shakespeare company im Polittbüro Hamburg.

Im Mittelpunkt der szenischen Lesung stehen die Umsetzung des Radikalenbeschlusses in Bremen und die Folgen für die Betroffenen.
Es lesen: Peter Lüchinger, Erik Roßbander, Elias Simon, Erika Spalke und Kathrin Steinweg.

Termin
Dienstag, 20.3.2018 / 20:00 Uhr
Polittbüro Hamburg
Steindamm 45, 20099 Hamburg
Karten 15 €, erm. 10 €
Reservierung nur telefonisch: 040 – 280 55 467

Gastspiel in Bielefeld

Staatsschutz – Treuepflicht – Berufsverbot
(K)EIN VERGESSENES KAPITEL DER WESTDEUTSCHEN GESCHICHTE

Szenische Lesung der bremer shakespeare company im Rahmen der Ausstellung „Vergessene Geschichte“ in der Volkshochschule Bielefeld.

Im Mittelpunkt der szenischen Lesung stehen die Umsetzung des Radikalenbeschlusses in Bremen und die Folgen für die Betroffenen.
Es lesen: Peter Lüchinger, Erik Roßbander, Elias Simon, Erika Spalke und Kathrin Steinweg.

Termin
Dienstag, 20.2.2018 / 19:00 Uhr
VHS Bielefeld, Murnau-Saal (3. OG)
Karten an der Abendkasse 13 €, erm. 8 €

Volkshochschule Bielefeld
Ravensberger Spinnerei
Ravensberg Park 1
33607 Bielefeld
Anfahrt

Eine Veranstaltung des Bielefelder Initiativkreises Berufsverbote
in Kooperation mit der VHS Bielefeld

DER FALL KOLOMAK

Bremen, im Januar 1927.

Die Hansestadt bangt um ihren Ruf. Das Tagebuch eines toten Mädchens wird zur literarischen Sensation und Anklage gegen Polizei und Gesundheitssystem. Nach der Verhaftung der Mutter gerät der Fall Kolomak immer mehr in die Schlagzeilen der Presse und wird zu einem der großen Skandale in der Weimarer Republik. In der Bürgerschaft streiten die Abgeordneten erbittert über den Wandel von Sitte und Moral am Beispiel von Mutter und Tochter Kolomak.
Im Juni 1927 wird der Prozess gegen Elisabeth Kolomak wegen Kuppelei vor dem Landgericht eröffnet. Zahlreiche namhafte Journalisten wie Carl von Ossietzky und Gabriele Tergit verfolgen das Verfahren und fragen sich: Wer sitzt außer der Wasch –und Schustersfrau noch auf der Anklagebank? Eine Tote? Die amerikanische Unsitte des Schminkens? Das Nachtleben Bremens?

Mehr Informationen

Termin: Montag, 18. Dezember 2017, 19:30 Uhr
Ort: Schwurgerichtssaal, Landgericht Bremen
Bitte kommen Sie frühzeitig, es werden Sicherheitskontrollen durchgeführt.
Karten: 13 €, erm. 6 €
www.shakespeare-company.com

Reise durch das 20. Jahrhundert an drei Abenden

Vom 3. bis 5. Dezember 2017 laden drei Lesungen aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“ zu einer Reise durch das 20. Jahrhundert vom Ende der Weimarer Republik bis in die 1970er Jahre ein.

3.12. Theater am Leibnizplatz, 18.00 Uhr
Nach der Aufführung von „Staatsschutz, Treuepflicht, Berufsverbot.- (K)ein vergessenes Kapitel der westdeutschen Geschichte“ werden ab ca 20.00 Uhr Alexandra Jaeger und Dominik Rigoll über die Lesung diskutieren. Alexandra Jaeger hat die Umsetzung des Radikalenbeschlusses in Hamburg untersucht, Dominik Rigoll hat zum Staatsschutz in Westdeutschland von der Entnazifizierung bis zur Extremistenabwehr geforscht.

4.12. Haus des Reichs/Finanzamt Bremen, 19.30 Uhr
Die Lesung Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie – Der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931wird im Haus des Reichs, dem ehemaligen Sitz der Konzernzentrale der Nordwolle aufgeführt. Sie erzählt, wie auf den Prunk des seinerzeit größten europäischen Textilkonzerns die Pleite folgte, die schließlich die deutschen Banken ins Wanken brachte.

5.12. Haus des Reichs/Finanzamt Bremen, 19.30 Uhr
„Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht“, rechtfertigte Margarete Ries, „asozialer“ Häftling in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Auschwitz, ihre Tätigkeit als Kapo. Die US-Militärregierung verhörte Ries und Feiga Berkmann im Haus des Reichs. Die KZ-Überlebende Berkmann hatte Ries am Hauptbahnhof Bremen erkannt und beschuldigte sie, ihre Schwester in Auschwitz erschlagen zu haben.

Karten: 13€, erm. 6€
bremer shakespeare company

Aus den Akten auf die Bühne

Eine Tagung in Bremen erkundete das Verhältnis zwischen Theater und Geschichtswissenschaft

„Auf der Tagung »Geschichte im Rampenlicht« sollte es um »Inszenierungen historischer Quellen im Theater« gehen, die vom 19. bis 21. Oktober in Bremen stattfand. Ungewöhnlich war sie schon deshalb, weil die Bremer Shakespeare Company (BSC) ihr Theater am Leibnizplatz als Örtlichkeit zur Verfügung gestellt hatte.“ Von Lothar Zieske
Junge Welt vom 26.10.2017

Historiker schreiben Stücke

Geschichte auf die Bühne gebracht

„Bremen. Die Geschichte schreibt oft die besten Geschichten. Historische Dokumentationen in Film, Fernsehen und Literatur erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf der Theaterbühne sind sie in Deutschland dagegen noch wenig vertreten. Vorreiter ist das Bremer Projekt ‚Aus den Akten auf die Bühne‘, bei dem Historiker und Schauspieler seit zehn Jahren zusammenarbeiten.“ Von dpa
Neue Osnabrücker Zeitung Online vom 25.10. 2017

Zeitalter der Extreme

Das 20. Jahrhundert in Originaldokumenten

10 Jahre „Aus den Akten auf die Bühne“

Zwei Weltkriege, Flucht, Migration und Abschiebung, die „neue Frau“ in der Weimarer Republik, Unternehmenspleiten und Bankencrash, Frauen als Täterinnen und Opfer im Nationalsozialismus, die Last des kolonialen Erbes, Antikommunismus und Berufsverbote in der Zeit des Kalten Krieges…
Die szenischen Lesungen von Originaldokumenten laden zu einer Reise durch das Zeitalter der Extreme ein – im Mittelpunkt die Hansestadt Bremen.
Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der bundesweit einmaligen Kooperation zwischen Forschung, Lehre und Theater präsentiert die bremer shakespeare company alle bisherigen 11  Produktionen von „Aus den Akten auf die Bühne“.

Die Szenischen Lesungen finden vom 1. November bis 19. Dezember 2017 zumTeil an historischen Originalschauplätzen statt!

Mittwoch, 1. 11.2017, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz, Bremen
Bremen: Eine Stadt der Kolonien?
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Petra-Janina Schultz, Erik Roßbander, Markus Seuß.
Die Lesung dokumentiert rund 100 Jahre koloniale Vergangenheit Bremens. Welche Interessen führten Männer und Frauen nach Afrika? Wie begegneten sie den Menschen in den Kolonien und auf welche Haltung trafen Afrikaner/innen in der Hansestadt? Wie veränderte sich Bremen nach 1919 durch den Verlust der Kolonien? „Zeitalter der Extreme“ weiterlesen